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Pflege & Alltag · Alltag & Hilfsmittel

Energie sparen, bevor sie fehlt

Hilfsmittel können bei ME/CFS Belastung reduzieren, Selbstständigkeit erhalten und notwendige Tätigkeiten vereinfachen. Sie sind nicht erst dann sinnvoll, wenn etwas überhaupt nicht mehr möglich ist.

Grundgedanke

Bei ME/CFS zählt nicht nur, ob eine Tätigkeit noch gelingt. Entscheidend ist auch, wie viel Energie sie kostet und ob sie danach PEM oder eine deutliche Symptomverschlechterung auslöst.

Hilfsmittel sind Teil von Pacing

Ein Rollstuhl, Duschsitz oder eine Sitzgelegenheit in der Küche bedeutet nicht automatisch „Aufgeben“. Ein geeignetes Hilfsmittel kann körperliche Belastung reduzieren und Energie für unvermeidbare oder persönlich wichtige Aktivitäten erhalten.

Energie sparen ist das Ziel.
Ein Hilfsmittel darf sinnvoll sein, obwohl eine Tätigkeit ohne dieses Hilfsmittel theoretisch noch möglich wäre.

Bad & Körperpflege

Sitzen statt stehen

Duschhocker oder Duschstuhl, Sitzmöglichkeit am Waschbecken und griffbereit vorbereitete Pflegeprodukte können Stehen und unnötige Wege reduzieren.

Pflege vereinfachen

Waschhilfen fürs Bett, Haarwaschhaube oder Haarwaschbecken und andere zeitsparende Lösungen können an schlechten Tagen vollständige Abläufe ersetzen.

Toilette

Kurze Wege und möglichst wenig aufrechte Belastung können entscheidend sein. Je nach Schweregrad kommen beispielsweise Toilettenstuhl, Bettpfanne, Urinflasche oder saugfähige Unterlagen infrage. Welche Lösung geeignet ist, hängt von Mobilität, Kreislauf, Sicherheit, Selbstbestimmung und individueller Verträglichkeit ab.

Essen & Trinken

Alles erreichbar

Getränke, Snacks und häufig benötigte Dinge möglichst dort platzieren, wo sie ohne zusätzliche Wege erreichbar sind. Kleine Vorratsstationen können im Alltag viel Energie sparen.

Handgriffe reduzieren

Leichtes Geschirr, rutschfeste Unterlagen, geeignete Trinkgefäße oder Trinkhalme können Halten, Heben und wiederholte Bewegungen erleichtern.

Schlafen, Liegen & Lagern

Bei überwiegend oder vollständig Bettlägerigen wird das Bett zum zentralen Lebens- und Pflegeort. Je nach Bedarf können ein elektrisch verstellbarer Lattenrost oder ein Pflegebett, geeignete Matratzen bzw. Topper und individuell passende Lagerungshilfen Bewegungsaufwand reduzieren und die Pflege erleichtern.

Mobilität: Wege verkürzen

Mobilitätshilfen sollten nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob jemand noch gehen kann. Bei ME/CFS kann es sinnvoll sein, Gehstrecken zu reduzieren, um orthostatische und körperliche Belastung zu begrenzen.

Innerhalb der Wohnung

Sitzgelegenheiten entlang häufiger Wege, Rollhocker oder individuell geeignete Mobilitätshilfen können Wege und Stehzeiten reduzieren.

Außer Haus

Rollstuhl oder andere Mobilitätshilfen können längere Wege vermeiden. Auswahl, Anpassung und sichere Nutzung sollten zur individuellen Situation passen.

Wohnen: Dinge kommen zum Menschen

Häufig benötigte Gegenstände sollten möglichst ohne Bücken, Strecken oder lange Wege erreichbar sein. Kleine Veränderungen – zweite Ladekabel, Wasser am Bett, Medikamentenbox, Ablagen an mehreren Orten oder ein kleiner Vorrat im Schlafzimmer – können täglich wiederkehrende Belastungen vermeiden.

Reizschutz

Licht

Verdunkelung, Augenmaske, Sonnenbrille, dimmbares Licht oder gezielte kleine Lichtquellen können visuelle Reize reduzieren.

Geräusch

Ohrstöpsel, Kapselgehörschutz oder andere individuell verträgliche Lösungen können helfen. Vollständige Abschirmung ist nicht für jede Person gleich gut geeignet.

Gerüche & Umgebung

Geruchsarme Pflege- und Reinigungsprodukte, gute Lüftung und möglichst vorhersehbare Abläufe können zusätzliche sensorische Belastung vermeiden.

Besuche

Kurze, planbare Kontakte und wenige Personen gleichzeitig können weniger belastend sein als spontane oder lange Besuche.

Kommunikation & Technik

Technik kann Wege und Gespräche ersetzen: Funkklingel, Smartphone oder Tablet in Reichweite, Sprachsteuerung, vorbereitete Textbausteine sowie einfache Zeichen- oder Bildsysteme können Kommunikation erleichtern. Bei sehr schwer Betroffenen können individuell vereinbarte Ja/Nein- und Stoppsignale besonders wichtig sein.

Energiesparen im Haushalt

Aufgaben bündeln

Nicht jede Tätigkeit muss sofort erledigt werden. Abläufe können vorbereitet, vereinfacht oder von anderen übernommen werden.

Automatisieren

Lieferdienste, automatische Bestellungen, smarte Steckdosen oder Sprachsteuerung können wiederkehrende Handgriffe und Wege reduzieren.

Doppelt statt tragen

Häufig verwendete Dinge können an mehreren Orten vorhanden sein. Das ist manchmal effizienter als tägliches Hin- und Hertragen.

Sitzen oder liegen

Viele Tätigkeiten lassen sich im Sitzen oder Liegen erledigen. Entscheidend ist nicht die „normale“ Ausführung, sondern die verträglichste.

Welches Hilfsmittel passt?

Die Auswahl sollte sich an der konkreten Belastung orientieren: Welche Tätigkeit verursacht Symptome? Welche Bewegung oder welcher Reiz lässt sich vermeiden? Muss das Hilfsmittel leicht, geräuscharm oder vom Bett aus bedienbar sein? Bei komplexeren Hilfsmitteln können Ergotherapie, Physiotherapie, Pflegefachpersonen oder spezialisierte Beratungsstellen bei Auswahl und Anpassung unterstützen – immer unter Berücksichtigung der ME/CFS-spezifischen Belastungsgrenze.

Österreich

Finanzierung & Kostenübernahme

Ob und in welcher Höhe ein Hilfsmittel finanziert oder bezuschusst wird, hängt unter anderem vom Hilfsmittel, der medizinischen Notwendigkeit, dem Versicherungsträger und gegebenenfalls vom Bundesland ab. Deshalb behandeln wir Bezugswege, Zuschüsse und weitere Unterstützungen getrennt im Bereich Pflegegeld & Unterstützung →.

Fachgrundlagen

MedUni Wien / ÖG ME/CFS – Pflegeanleitung für schwer- und schwerstkranke ME/CFS-Patient:innen →

Österreichisches Gesundheitsportal – ME/CFS →

Hinweis: Hilfsmittel müssen zur individuellen Situation passen. Bei Sturz-, Druckstellen-, Schluck-, Lagerungs- oder anderen medizinischen Risiken ist eine fachliche Beurteilung besonders wichtig.

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